Warum Selbstfürsorge oft missverstanden wird
Wenn wir über Selbstfürsorge sprechen, denken viele an Badewannen, Duftkerzen oder neue Kleidung. Und ja – das kann schön sein. Aber echte Selbstfürsorge beginnt an einem ganz anderen Punkt: bei dir selbst, bei deinen Grenzen, deinen Bedürfnissen und der Frage, wie du deinen Alltag gestaltest.
Gerade als Therapeutin, Coachin oder Beraterin bist du ständig für andere da. Du hältst Räume, hörst zu, trägst Emotionen mit. Doch wo bleibst du selbst in diesem System?
Oft sehe ich, dass genau die Menschen, die beruflich für das Wohl anderer sorgen, ihre eigene Fürsorge am meisten vernachlässigen.
Die ehrliche Bestandsaufnahme
Selbstfürsorge bedeutet, dir ehrlich die Frage zu stellen:
Was kostet mich Kraft – und was gibt mir Energie?
Mach am besten jetzt kurz Pause, schnapp dir Zettel und Stift und schreib auf:
- Welche Situationen oder Aufgaben rauben dir Energie?
- Welche Momente geben dir Kraft oder machen dich zufrieden?
Denn oft übernehmen wir ungefragt die Vorstellungen anderer davon, was „anstrengend“ oder „normal“ ist. Dabei kann etwas, das andere stresst, für dich völlig okay sein – und umgekehrt.
Deine Vision von einem guten Alltag
Wenn du weißt, was dich auslaugt, dann frag dich als Nächstes:
Wie hätte ich es gerne?
Wie soll dein Tag aussehen, damit du dich wohlfühlst?
Wie möchtest du arbeiten, leben, Pausen machen?
Diese Vision ist der erste Schritt, um deinen Alltag neu zu gestalten. Denn nur wenn du weißt, wohin du willst, kannst du dich bewusst in diese Richtung bewegen. Und nein – du musst nicht alles sofort verändern. Aber du darfst anfangen, dich Schritt für Schritt deinem Wunsch-Alltag zu nähern.
Selbstfürsorge heißt auch: Grenzen setzen
Einer der häufigsten Punkte, an denen Selbstfürsorge scheitert, ist das Nicht-Einhalten der eigenen Grenzen.
Vielleicht kennst du das: Du gehst regelmäßig über die Zeit in Sitzungen, obwohl du weißt, dass du danach erschöpft bist. Oder du sagst Ja, wo du eigentlich Nein meinst.
Selbstfürsorge heißt, dich selbst ernst zu nehmen – mit allem, was du brauchst. Dazu gehört, Sitzungen wirklich pünktlich zu beenden, Pausen einzuplanen und dir zu erlauben, deine Energie zu schützen. Denn nur wenn du in deiner Kraft bist, kannst du deine Klient:innen wirklich gut begleiten.
Der Blick auf deine Motivation
Manchmal hilft es, dich zu erinnern: Warum hast du diesen Weg überhaupt gewählt?
Was war deine ursprüngliche Vision, als du dich für diesen Beruf entschieden hast?
Wir verlieren diese Motivation leicht aus den Augen, wenn der Alltag uns einholt. Doch genau diese Verbindung zu deinem ursprünglichen Warum bringt dich wieder in Bewegung – und zurück zu dem, was dich erfüllt hat, als du begonnen hast.
Eine Übung für dich
- Schreib auf, was dir aktuell Energie raubt.
- Schreib auf, wie du dir deinen idealen Alltag wünschst.
- Überleg dir: Was ist der nächste kleine Schritt in diese Richtung?
Vielleicht ist es eine zusätzliche Pause am Tag. Vielleicht ein klares Nein. Oder einfach ein Moment der Ehrlichkeit dir selbst gegenüber.
Das ist Selbstfürsorge – und sie beginnt nicht in der Badewanne, sondern in deiner inneren Haltung zu dir selbst.
Fazit
Selbstfürsorge ist kein Luxus. Sie ist die Grundlage dafür, dass du deine Arbeit langfristig mit Freude, Leichtigkeit und innerer Stabilität machen kannst.
Und sie beginnt genau hier – mit der Entscheidung, dich selbst nicht länger hintenanzustellen.
Hör dir meine Podcast-Folge dazu an, wenn du mehr zu diesem Thema erfahren möchtest!