Es gibt diese Momente im Leben, in denen wir fühlen: So geht es nicht weiter.
Und gleichzeitig gibt es tausend Gründe, warum wir trotzdem weitermachen.

Kiki Schneider – Coach für berufliche Neuorientierung – hat in unserem Gespräch so lebendig beschrieben, wie stark diese innere Zerrissenheit sein kann. Vor allem dann, wenn man sich bewusst gegen das eigene Gefühl stellt und eine Situation aufrechterhält, die sich im Körper und im Alltag schon längst zeigt.

Im Interview erzählt sie davon, wie sie über Jahre in einem Job geblieben ist, obwohl sie früh gespürt hat, dass etwas nicht passt. Trotzdem hat sie viereinhalb Jahre durchgehalten – mit allen Zweifeln, Ängsten und körperlichen Belastungen, die sich im Laufe der Zeit aufgebaut haben .

Und genau das ist etwas, das so viele von uns kennen.


Warum wir so lange bleiben – selbst wenn es uns nicht guttut

Kiki beschreibt etwas, das ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann: Unser Kopf findet unendlich viele Gründe, warum Veränderung „keine gute Idee“ ist.
Ganz besonders, wenn wir viel investiert haben – Zeit, Energie, vielleicht sogar einen Umzug oder ein komplettes Lebensmodell.

Unser Gehirn sucht nach Sicherheit. Selbst dann, wenn diese vermeintliche Sicherheit uns überfordert, erschöpft oder schon körperliche Signale sendet. Kiki erzählt, wie sie irgendwann morgens im Auto saß und zehn Minuten brauchte, um auszusteigen, weil sich ihr ganzer Körper gegen den Arbeitstag sträubte .

Und ich kenne solche Momente selbst: Dieses tiefe Bauchgefühl, das dir schon am zweiten oder dritten Tag zuflüstert: „Hier bist du nicht richtig.“
Und die Gedanken, die sofort widersprechen: „Du kannst jetzt nicht einfach alles hinschmeißen…“


Der gefährlichste Moment: Wenn wir die eigenen Empfindungen wegdrücken

Was Kiki so klar benennt:
Das Wegdrücken der eigenen Wahrheit kann uns in Richtungen führen, die wir nicht mehr bewusst steuern.

Wenn wir uns verbieten, wahrzunehmen, dass etwas nicht stimmt, verschiebt sich die Belastung oft ins Unterbewusste und kann sich im Alltag, im Verhalten oder im Körper zeigen. Sie beschreibt, wie sich bestimmte Symptome erst später wieder aufgelöst haben – als klar war, dass der Job nicht mehr der richtige Platz war .

Diese Erfahrungen sind keine Seltenheit. Und doch denken viele, sie müssten „einfach durchhalten“.


Der erste Schritt ist nicht die Kündigung – sondern das Eingeständnis

Was ich an diesem Gespräch so wertvoll finde:
Es geht nicht darum, kopflos zu kündigen.
Es geht darum, sich einzugestehen:

„Ich bin unzufrieden. Und so wie es gerade ist, geht es nicht weiter.“

Kiki nennt das die „Entscheidung vor der Entscheidung“ – ein innerer Wendepunkt, an dem wir ehrlich hinsehen, bevor wir irgendetwas verändern .

Diese Ehrlichkeit macht Raum für Klarheit.


Was dir hilft, wenn du gerade feststeckst

Kiki teilt im Gespräch einige wichtige Impulse – keine schnellen Lösungen, sondern hilfreiche Perspektiven:

1. Erkenne, woher deine Unzufriedenheit wirklich kommt

Ist es die Aufgabe? Das Umfeld? Der Zweck deiner Arbeit?
Manchmal ist nicht der Job das Problem, sondern der Kontext. Manchmal ist es beides.

2. Mach sichtbar, was du kannst

Eine Stärkeninventur kann ein Anfang sein – nicht, um sofort Antworten zu haben, sondern um deine Ressourcen überhaupt wieder wahrzunehmen .

3. Erlaube dir, Unterstützung zu holen

Kiki beschreibt, wie hilfreich es sein kann, mit jemandem zu sprechen, der neutral schaut, anstatt ausschließlich mit Freund:innen oder der Familie zu diskutieren .

4. Nimm dir Zeit, bevor du große Schritte gehst

Nicht jede Entscheidung braucht Tempo.
Aber sie braucht Ehrlichkeit.


Fazit: Veränderung beginnt viel früher, als wir denken

Berufliche Neuorientierung bedeutet nicht, sofort den perfekten neuen Job zu finden.
Sie beginnt in dem Moment, in dem wir uns erlauben hinzusehen:

  • Was stimmt für mich nicht?
  • Was brauche ich wirklich?
  • Wo habe ich mich selbst verloren – und wo finde ich meinen eigenen Kompass wieder?

Kiki zeigt in diesem Gespräch so eindrücklich, dass Klarheit nicht plötzlich auftaucht.
Sie entsteht, wenn wir bereit sind, unsere innere Wahrheit nicht länger wegzudrücken.

Und dass dieser erste Schritt oft der mutigste ist.


Hör dir meine Podcast-Folge dazu an, wenn du mehr zu diesem Thema erfahren möchtest!