Es gibt Phasen im Leben, in denen wir weiterfunktionieren, obwohl unser inneres System längst nach Pause schreit. Wir halten durch, wir schieben unsere Bedürfnisse beiseite, wir nehmen uns „danach“ Zeit – irgendwann, wenn alles geschafft ist. Doch dieses „danach“ kommt nie wirklich. Und genau so rutschen so viele Frauen unbemerkt in die Erschöpfung.
Im Interview mit Burnout-Coach Karin Obertreis wird spürbar, wie leise und gleichzeitig tiefgreifend dieser Prozess ist. Und wie sehr die weibliche Lebensrealität dazu beitragen kann, dass wir Symptome übergehen, uns selbst hinterfragen oder glauben, wir müssten einfach „mehr schaffen“. Dabei steckt hinter vielem etwas ganz anderes: Überforderung, strukturelle Lasten und ein System, das Frauen oft unsichtbar lässt .
Warum so viele Frauen an ihre Grenzen kommen, ohne es zu bemerken
Karin beschreibt etwas, das viele Frauen kennen, aber selten aussprechen:
Allein die Rolle als Frau kann schon zu Erschöpfung führen.
Nicht, weil Frauen weniger belastbar wären – sondern weil sie dauerhaft mehrere Ebenen gleichzeitig tragen: Care-Arbeit, beruflicher Druck, emotionale Verantwortung, die Erwartungen von außen. Dazu kommen gesellschaftliche Glaubenssätze darüber, wie „gut“ eine Frau sein muss: zuverlässig, kompetent, freundlich, belastbar, leistungsfähig.
Und als wäre das nicht genug, werden Frauen medizinisch oft später ernst genommen. Diagnosen wie ADHS, Depression oder Angststörungen werden übersehen oder fehlinterpretiert – mit der Folge, dass Therapien nicht greifen und Betroffene sich fragen, warum sie nicht „besser funktionieren“ können .
Diese Unsichtbarkeit erschöpft. Und sie macht etwas mit dem Selbstwert.
Die frühen Burnout-Signale – und warum wir sie ignorieren
Burnout entsteht nicht von heute auf morgen. Er ist ein Prozess, der in Wellen verläuft und sich manchmal sogar versteckt.
Hier sind die Symptome, die Karin im Interview beschreibt und die viele Frauen rückblickend wiedererkennen:
1. Du ziehst dich zurück
Aktivitäten, die dir früher Freude gemacht haben, fühlen sich schwer an.
Verabredungen strengen dich an.
Du brauchst mehr Ruhe, aber sie nährt dich nicht.
2. Du funktionierst – und hoffst auf „bald“
„Nach diesem Projekt wird’s besser.“
„Ich halte durch, bis zum Urlaub.“
Dieses ständige Weiterlaufen raubt dir jede echte Erholung.
3. Pausen fühlen sich unangenehm an
Sobald du zur Ruhe kommst, spürst du innere Unruhe.
Dein Körper ist dauerhaft im Alarmmodus.
4. Du hast körperliche Symptome, denen du keine Bedeutung gibst
Schlafstörungen, Verdauungsprobleme, ein inneres Vibrieren, Reizbarkeit.
All das ist nicht „normaler Stress“, sondern ein Hinweis, dass dein System überlastet ist.
Burnout kündigt sich an. Aber wir haben nicht gelernt, diese Signale ernst zu nehmen.
Der Punkt, an dem dein Körper die Notbremse zieht
Wenn die innere Überlastung zu lange anhält, kann der Körper irgendwann nicht mehr kompensieren. Karin beschreibt sehr eindrücklich, wie manche Betroffene eines Morgens nicht mehr aufstehen können. Das System macht dicht – und das fühlt sich an wie eine schwere Depression. In dieser Phase brauchst du therapeutische und medizinische Begleitung, keine Selbstoptimierung .
Das ist kein Scheitern.
Es ist ein Schutzmechanismus.
Warum der innere Dialog eine so große Rolle spielt
Ein Thema, das im Gespräch besonders deutlich wurde:
Wie du mit dir selbst sprichst, entscheidet darüber, wie du dich durch herausfordernde Zeiten navigierst.
Wenn deine innere Stimme hart, kritisch oder abwertend ist, verliert dein System Stabilität.
Wenn du lernst, liebevoll mit dir selbst zu sprechen, verändert das alles:
- deine Grenzen
- deine Beziehungen
- deine Belastbarkeit
- deine innere Ruhe
Karin beschreibt sehr bewegend, wie sich ihr eigenes Leben verändert hat, seit sie ihren inneren Dialog neu gelernt hat. Dadurch fällt es leichter, Grenzen zu setzen, sich ernst zu nehmen und nicht mehr alles auszuhalten, was andere von einem erwarten .
Wie Hypnose helfen kann, wenn du mit reiner Reflexion nicht weiterkommst
Karin nutzt Hypnose als ergänzendes Werkzeug – nicht als Showeffekt, sondern als Möglichkeit, innere Anteile zu beruhigen, alte Überzeugungen zurückzugeben und emotionale Blockaden anzuschauen.
Sie beschreibt, wie Hypnose hilft, wenn der kognitive Weg an Grenzen stößt:
Wenn du weißt, dass „etwas“ in dir arbeitet, aber keinen Zugang dazu findest.
Wenn ein Teil von dir beruhigt werden muss.
Oder wenn alte Erfahrungen in deinem Körper noch feststecken.
Hypnose ist hier kein Ersatz für Coaching oder Therapie – sie ist ein liebevoller Zugang zu dem, was sich rational nicht erschließt.
Fazit: Erschöpfung ist kein persönliches Versagen – sie ist ein Zeichen
Burnout ist kein Zeichen dafür, dass du zu schwach bist.
Es ist ein Zeichen dafür, dass du zu lange stark warst.
Wenn du dich in Karins Beschreibungen wiederfindest, dann nimm das ernst.
Du musst das nicht alleine schaffen.
Und du hast nichts falsch gemacht.
Erschöpfung ist ein Signal deines Systems.
Ein Hinweis darauf, dass du gesehen werden musst – von dir selbst und von anderen.
Und dass es Zeit ist, liebevoller mit dir zu werden, deine Grenzen zu achten und Unterstützung anzunehmen, bevor du komplett ausbrennst.
Es gibt einen Weg zurück zu dir. Und du darfst ihn gehen. du wieder in Kontakt mit dir selbst kommen – und langfristig deine Lebensqualität verbessern.
Hör dir meine Podcast-Folge dazu an, wenn du mehr zu diesem Thema erfahren möchtest!