Eine Frage am Tag: Warum ist mir meine Arbeit eigentlich so wichtig?

Warum ist mir meine Arbeit eigentlich so wichtig?

Wenn wir uns über unsere Arbeit aufregen, gestresst sind oder enttäuscht, dann hören wir von Freunden und Familie oft solche Aussagen wie „Nimm das doch nicht so wichtig“, „Ist doch halb so wild“, „Du verdienst dort gutes Geld, also leb damit“, und und und. Arbeit wird oft noch als Mittel zum Zweck gesehen, nämlich Geld zu verdienen und davon gut leben zu können. Natürlich ist sie das auch. Aber für viele Menschen ist Arbeit wesentlich mehr, als nur ein Job. Arbeit ist nämlich oft Teil unserer Identität und Persönlichkeit. Wir definieren uns u.a. über unsere Arbeit und sie wird dadurch ein Teil von uns. Das führt einerseits dazu, dass wir sehr motiviert an unsere Aufgaben herangehen und sehr viel Einsatz zeigen. Andererseits kann uns das aber auch zum Verhängnis werden, wenn unser Job mal nicht gut läuft, wir negative Rückmeldung bekommen, Stress mit Kollegen haben oder mit dem Chef nicht klar kommen. Das erklärt dann auch, warum uns die Tipps aus unserem Umfeld dabei nicht helfen. Wir können die Arbeit nicht auf einmal als reines Mittel zum Zweck sehen, wenn wir sie vorher Jahre lang als Teil unserer Identität wahrgenommen haben und sie in unsere Persönlichkeit integriert haben.
Wenn wir also längere Zeit in einem Job arbeiten, der sehr an unseren Nerven nagt und in dem es uns nicht gut geht, ist das nicht nur belastend für unsere Psyche, sondern kann sich auch negativ auf unsere Identitätsentwicklung auswirken. Ein Verarbeitungsmechanismus, der dann oft zutage tritt, ist der sogenannte „Dienst nach Vorschrift“. Wir machen nur noch, was wir müssen und kein bisschen mehr. Es ist der Versuch, eine Situation in den Griff zu bekommen und Arbeit nicht so wichtig zu nehmen. Das kann funktionieren, hat aber oft seinen Preis. Wenn wir in einem so großen alltäglichen Bereich wie unserer Arbeit (meistens ja min. 8 Stunden täglich) abschalten und auf Sparflamme arbeiten, geht es uns meist nur noch schlechter. Wir werden dann unseren eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht, weil wir uns einem System anpassen oder unterordnen. Das wirkt sich extrem auf unsere Selbstwirksamkeitserwartung aus, also dem eigenen Gespür dafür, was wir können und was wir schaffen. Wenn unsere Selbstwirksamkeitserwartung sinkt, kann das ein erster Schritt in Richtung Burnout oder andere psychische Krankheiten sein. Denn wir verlieren dann das Gefühl, dass wir die Dinge in der Hand haben und erleben uns fremdgesteuert. Dadurch nehmen wir negative Situationen eher hin und gehen nicht mehr aktiv unseren eigenen Weg.
Wenn Sie jetzt den Eindruck haben sollten, dass das bei Ihnen vielleicht schon der Fall sein könnte, dann sollten Sie sich qualifizierte Beratung suchen und wieder Ihren eigenen Weg einschlagen. Aber: Treffen Sie keine übereilten Entscheidungen, sondern wägen Sie Ihre Schritte bedacht ab und gehen Sie einen Schritt nach dem anderen. Zufriedenheit kommt nicht über Nacht.

Also, nochmal zurück zur eigentlichen Frage: Warum ist Ihnen Ihre Arbeit wichtig?

2 Gedanken zu „Eine Frage am Tag: Warum ist mir meine Arbeit eigentlich so wichtig?

  1. Stefanie Burgard sagt:

    mir ist es wichtig, dass ich bei meiner Arbeit mit dem Herzen dabei bin. Ist das nicht der Fall, so mache ich eben diesen „Dienst nach Vorschrift“ und dann ist auch das Ergebnis eben nur Durchschnitt.
    Zum Glück besitze ich die Eigenschaft, dass ich mich für das, was ich tue, wirklich begeistern kann und ich dann auch mit Arbeiten, die mir nicht so liegen, zufrieden bin.
    Meine momentane Arbeit ist ja eine ganz Besondere und sie gibt mir das Gefühl, etwas sinnvolles zu tun.
    Deshalb ist mir meine Arbeit so wichtig!

  2. Brehm, Petra sagt:

    Die Arbeit ist ein Teil des Lebens, aber es gibt auch noch viele andere Teile im Leben. Sie dient dazu, den Lebensunterhalt zu verdienen. Wenn die Arbeit auch noch Freude macht, dann ist es perfekt. Aber was ist im Leben schon perfekt? Auch im Beruf muss ich Kompromisse machen, denn es gibt Vorgaben von Vorgesetzten. Frei im Beruf ist nur die Person, welche nicht abhängig ist. In jungen Jahren war der Beruf wichtig, aber wo ich älter werde, gibt es wichtigere Dinge. Eine Zufriedenheit im Leben hängt bei mir nicht nur vom Beruf ab.

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